Solidarischer Kapitalismus ist jetzt gefragt! 10 Ideen zur Corona-Krise
Diskussion und Konsens ist jetzt dringend erforderlich:

Wie fast jeden Menschen zurzeit beschäftigt auch mich die Corona-Krise. Mein Dank gilt allen, die uns mit ihrer Arbeit unterstützen, diese Krise zu meistern: Ärzte, Pflegepersonal, Verkäufer in Lebensmittelgeschäften, Mitarbeiter der Müllabfuhr und viele mehr. Diese Krise zeigt, wie sehr wir miteinander verbunden sind. Ein inspirierender Artikel von Matthias Horx ( https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona/ ) hat mir den Anstoss dazu gegeben, darüber nachzudenken, was jetzt notwendig ist, um diese positive Zukunft auch zu erreichen. Über die großzügigen finanziellen Zusagen der Politik, die Menschen und die Wirtschaft zu unterstützen, habe ich mich sehr gefreut.
Als Spezialist für Verhandeln und Entscheiden sind mir die komplexen Zusammenhänge der Wirtschaft bewusst. Kein Experte kann hier alles durchdringen. In der Diskussion fehlt mir zurzeit jedoch, dass über grundlegende Spielregeln gesprochen wird. Sozusagen die Rahmenbedingungen, in denen Massnahmen beschlossen werden können. Mit den nachfolgenden Ideen möchte ich den Anfang machen, diese Lücke zu schliessen.

Insofern möchte ich niemanden kritisieren oder eine spezifische politische Richtung unterstützen, sondern eine aus meiner Sicht notwendige Diskussion starten, damit wir alle aus dieser Krise wieder gut herauskommen. Bitte sehen Sie die Zahlen nur als Beispiele – wichtig ist die Absicht dahinter. Die Beispielwerte machen es bloss ein bisschen konkreter.

10 weiterführende Ideen zur Überwindung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise

1. Kündigungsschutz für Mitarbeiter:
Firmen, die Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen, sollten ihre Mitarbeiter, für die sie Kurzarbeitergeld beziehen, für z.B. 12 bis 24 Monate nicht kündigen dürfen. Warum ist das wichtig? Damit mit dem Geld der Gemeinschaft nicht kurzfristig Arbeitsplätze vernichtet werden.

2. Vorübergehende Beschränkung der Managergehälter:
Firmen, die Kredite mit staatlicher Bürgschaft bekommen, müssen für die Laufzeit der Kredite das Gehalt ihrer Manager deckeln, z.B. diesen nicht mehr als 0,5 Mio. Euro pro Jahr zukommen lassen. Warum ist das wichtig? Um das Geld der Gemeinschaft nicht für einen übertriebenen Wohlstand Einzelner zu verwenden.

3. Gewinne erst nach Rückzahlung der geförderten Kredite:
Firmen, die Kredite mit staatlicher Bürgschaft bekommen, dürfen erst wieder Gewinn machen, wenn diese Kredite vollständig zurückbezahlt sind.
Warum ist das wichtig? Das Geld der Gemeinschaft sollte für den Wiederaufbau und Ausbau der Firma genutzt werden.

4. Vorübergehende Gewinnbeschränkung:
Firmen, deren Aktien am Aktienmarkt gehandelt werden, dürfen nicht mehr als z.B. 1% Gewinn in diesem Jahr und z.B. 2% Gewinn in den Jahren 2021 bis 2023 machen. Dies gilt insbesondere für Firmen, die von der Krise profitieren. Warum ist das wichtig? Damit diese Firmen nicht ihren Gewinn maximieren, sondern als Motor für den Konsum dienen.

5. Vorübergehende Beschränkung des Aktienverkaufs:
Inhaber von Aktien dürfen Firmenaktien bis z.B. 31.3.2021 (oder länger) nicht verkaufen und danach nur, wenn im Abschluss 2020 Gewinn ausgewiesen ist.
Warum ist das wichtig? Vermeidung von Spekulationen und ein Garant, dass das Management möglichst ungestört am Wiederaufbau arbeiten kann.

6. Vorübergehende Dividendenbeschränkung:
Auf Aktien wird z.B. 2020 bis 2023 keine Dividende gezahlt. Warum ist das wichtig? Aus Solidarität wird heute „social distancing“ gelebt. Aus Solidarität soll jetzt der Profit von Einzelnen vorübergehend eingeschränkt werden, damit der Wiederaufbau der Firmen möglichst schnell gelingt.

7. Sicherstellung von Investitionen und strategischen Projekten:
Firmen, die Kredite mit staatlicher Bürgschaft bekommen, müssen für die Laufzeit des Kredites mindestens so viel in Anlagen und strategische Projekte investieren wie z.B. 2019 oder es wird ein Prozentsatz definiert (z.B. wie im Durchschnitt der letzten 3 Jahre). Warum ist das wichtig? Die Firmen sollen weiter Innovation betreiben.

8. Sicherstellung von Schulung und Weiterbildung:
Firmen, die Kredite mit staatlicher Bürgschaft bekommen, müssen für die Laufzeit des Kredites mindestens ebenso viel in Schulung und Weiterbildung investieren wie z.B. 2019 oder es wird ein Prozentsatz definiert (z.B. wie im Durchschnitt der letzten 3 Jahre). Warum ist das wichtig? Die Firmen sollen in ihre Mitarbeiter investieren und diese auf den digitalen Wandel vorbereiten, um weiter innovativ zu bleiben und Mitarbeiterloyalität zu fördern.

9. Transformation Business Travel:
Ausgehend von der Annahme, dass der Business-Travel-Bereich stark schrumpfen wird, sollten Firmen, die von diesem zu erwartenden Rückgang betroffen sind, bis z.B. Ende des 2. Quartals 2020 eine Restrukturierungsplanung durchführen. Gemeinsam mit ihnen werden Massnahmen geplant, wie sie den zu erwartenden Strukturwandel überstehen.Warum ist das wichtig? Um die Ängste aller Beteiligten abzufedern und die Transformation so reibungslos und sicher wie möglich durchzuführen. Ebenso dient dies dem Erreichen unser aller ökologischen Ziele.

10. Friedvolle Transformation:
Weitere Ideen sind willkommen, die die freie Marktwirtschaft möglichst erhalten und sicherstellen, dass eine Transformation der Gesellschaft zu mehr Digitalisierung und weniger Reisetätigkeit et cetera gelingt, ohne die Gesellschaft zu spalten. Wenn nicht jetzt, wann dann? Mir ist die Komplexität der Themen sehr bewusst. Aber Gelegenheit macht Ideen! Ich möchte mit diesen Gedanken ein Katalysator sein für die sinnvolle und notwendige Diskussion von Spielregeln. Diese Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. So könnten und müssten wir wie in Punkt 9 statt über Travel auch über die Automobilbranche nachdenken.

Wegen unterschiedlicher politischer Rahmenbedingungen habe ich für die drei Länder verschiedene Diskussionsforen auf acceptify.at angelegt. Dort können Sie systemisch konsensieren. systemisch Konsensieren ist eine neue und sehr lösungsorientierte Entscheidungsmethode, bei der es darum geht, die Widerstände gegen Lösungen zu minimieren. Sie eignet sich besonders für Entscheidungssituationen im Bereich von komplexen Systemen wie der jetzigen Situation.
Aus der Schweiz können Sie auf https://www.acceptify.at/de/konsensierung/88raeqfst/info
mitdiskutieren, aus Österreich auf https://www.acceptify.at/de/konsensierung/o6ut3nkki/info
und aus Deutschland auf https://www.acceptify.at/de/konsensierung/xp4ltkf3s/info.

Bitte teilen Sie diese Gedanken mit möglichst vielen Menschen, damit schnell eine breite und hoffentlich konstruktive Diskussion erfolgt!

Jörg Köck – via case di fondo 1, CH – 6605 Locarno; E-Mail: Joerg.koeck@better-solutions.cc